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Isabelle Stever: Eine demokratische Gesprächsrunde zu festgelegten Zeiten, 2009

Neben ungelösten Konflikten stellt die Ausstellung auch Strategien der Lösung und utopische Momente in den Blick. In Isabelle Stevers Kurzfilm „Eine demokratische Gesprächsrunde zu festgelegten Zeiten“, der Teil des Episodenfilms „Deutschland 09“ ist, lernen Kinder gemeinschaftlich denken und handeln. Stever besuchte eine Münchner Grundschule, die im multikulturellen Stadtteil Hasenbergl beheimatet ist. Die prekäre wirtschaftliche Lage vieler Familien und die Sprachdefizite der meisten Kinder wirken sich deutlich auf die Anforderungen an die Arbeit der LehrerInnen aus. Der Film konzentriert sich auf eine vierte Klasse und ihre Lehrerin, die nach der Freinet-Pädagogik einen „Klassenrat“ entworfen hat. Statt sich zu prügeln, sollen die 9- bis 11-jährigen Sprachkompetenz erwerben, die ihnen Handlungsalternativen aufzeigt. Das aktuelle Problem, vorgetragen von Marco, lautet: „Ich will nie wieder Völkerball spielen!“ Die Rolle der Lehrerin ist anstrengend und kompliziert. Sie muss intervenieren, wenn die Argumentation jeglicher Logik entbehrt. Trotzdem will sie den Kindern möglichst viel Eigenverantwortung überlassen, damit diese lernen, für ihr Sozialleben Verantwortung zu übernehmen. Der Film erzählt, mit welcher Sensibilität, Mühe und auch Ambivalenz die „demokratische“ Idee durch die engagierte Lehrerin in eine Gesellschaft aus Kindern mit sehr verschiedenen familiären, sozialen und kulturellen Hintergründen eingebracht wird. Gemeinschaften ebenso wie Gesellschaften sind darauf angewiesen Methoden und Rituale der Auseinandersetzung und Kompromissbildung zu etablieren, um gleichzeitig ihre Unterschiede zu respektieren und miteinander zu verhandeln.