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MANIFEST

Vom Profil her ist die Shedhalle mit einem Kunstverein vergleichbar, behält jedoch gleichzeitig die dynamische Offenheit eines Kunstlabors.
Seit der Wende im Jahr 1994 definiert sich die Shedhalle als ein Ort für die Erprobung und Produktion neuer Formen zeitgenössicher künstlerischer und kultureller Praxis. TheoretikerInnen, KünstlerInnen, ArchitektInnen, Studierende, AktivistInnen und KuratorInnen haben in ständig wechselnden Konstellationen Projekte entwickelt, Themen aufgearbeitet und neue kuratorische Formate gesucht.
Nicht so sehr die Präsentation einzelner künstlerischer Positionen ist das Anliegen, vielmehr wird versucht, unterschiedlichste Arbeiten in eine Konstellation zu fügen, und Wahrnehmungsmöglichkeiten auf die Gegenwart zu gestalten und neu zu organisieren.

Die künstlerische Umsetzung von Themen innerhalb der Institution der Shedhalle bedeutet nach wie vor eine Herausforderung. Ein Ausstellungsraum birgt immer auch einen »Ausstellungszwang« in sich. Der Vorgang des Produkte Her- und Ausstellens ist nicht so leicht zu unterbrechen. Wir adaptieren diesen Zwang insofern, als dass wir ihn als Mittel zum Zweck einsetzen. Er ist die Triebfeder auf der immerwährenden Suche nach experimentellen Formen der »Darstellung«.
Die Transparenz und Demokratisierung des Kunstsystems bleibt ein Ziel. Interdisziplinäre sowie prozess- und themenorientierte Arbeit kann heute — im Gegensatz zu den frühen neunziger Jahren — kaum mehr als politischer Akt gedeutet werden.

Die Projekte der Shedhalle werden alle aus einer explizit feministischen Perspektive heraus konzipiert. Ausgangspunkt für die meisten Projekte ist die Auseinandersetzung mit Fragestellungen und Themenkomplexen mit gesellschaftspolitischer Relevanz, die bewusste Erweiterung der künstlerischen Praxis auf ein interdisziplinäres Feld von feministischer Theorie, Cultural Studies sowie ästhetischer und politischer Praxis. Wir hinterfragen auch immer wieder eigene Projekte und daraus entstandene Entwicklungen.

Die programmatische Offenheit der Shedhalle ist nicht so sehr dem Gedanken einer Erweiterung des Kunstbegriffes verpflichtet, als vielmehr der Vorstellung, mit der Autorität eines Kunstortes in das politische und gesellschaftliche Leben eingreifen zu können. Die Reflektionspotenziale stehen stets in engem Zusammenhang mit konkreten künstlerischen und gesellschaftlichen Praktiken, und sollen als Gegenstand einer über das Kunstfeld hinausreichenden Meinungsbildung etabliert werden.

Die experimentelle Herangehensweise bildet nach wie vor die Basis unserer Zusammenarbeit und der Entwicklung neuer Projekte. In diesem Sinne öffnet die Shedhalle einen Freiraum, einen Ort um Nachzudenken, in Frage zu stellen und neue Formen zu entwickeln.