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konzept : treffen : künstlerInnen : filmprogramm
Andrea Knobloch

Andrea Knobloch, lebt und arbeitet in Düsseldorf, Deutschland
Die Auseinandersetzung mit Alltagskultur oder besser mit den Bedingungen des Sozialen, die in alltäglichen Gestaltungen (Architektur, Interieur, Produktwelten, mediale Welten, Stadtraum etc.) eingelagert sind, bildet den Schwerpunkt meines künstlerischen Interesses. Damit verknüpft sich notwendig die Frage nach den Bedingungen und Möglichkeiten, als Künstlerin in diese Gestaltungen einzugreifen – in dem Bewusstsein, dass es sich dabei immer auch um Eingriffe in Lebenswelten anderer handelt.

Das Herauslesen von Funktionsweisen und Bedeutungen und das Vorschlagen von veränderten Lesarten und Handlungsweisen mit künstlerischen Mitteln bestimmen das künstlerische Vorgehen. Themenfelder, die in wechselnden Konstellationen und Formaten bearbeitet werden, sind: Stadtentwicklung und Stadtplanung, Kunst im Stadtraum, Stadt als Landschaft sowie Naturraum Stadt. Als übergreifende Klammer fungiert die Frage nach einem handlungsbasierten Öffentlichkeitsbegriff, der über eine räumlich-territoriale Begriffsbestimmung hinausreicht um der warenförmigen Zurichtung des Raums ebenso wie des darin eingebetteten Sozialen Alternativen entgegenzusetzen.


Zürich rührt sich
Ein Marionettentheater mit 10 Figuren, 5 Aufzügen und 4 Spielorten

Das Projekt Zürich rührt sich thematisiert Ausformulierungen von Bewegung als körperliche Aktivität im Raum parallel zum Wandel der Produktionsbedingungen seit Beginn des vorigen Jahrhunderts bis heute. Ausgehend von der in Reformprojekten ab 1900 erstmals systematisch untersuchten gesundheitsfördernder Kraft gymnastischer Aktivität und tänzerischer Bewegung als individueller künstlerischer Ausdrucks über die Synchronisierung des Individuellen in der im Gleichtakt bewegten Masse wird der Bogen gespannt bis hin zur Bewegungsökonomie und aktuellen Tendenzen, in denen der funktionalistisch in flexibilisierte Arbeitsstrukturen eingepasste Körper sich selbst zu Fitness und Work Out verpflichtet.

Gefragt wird insbesondere nach widerständigen und emanzipatorischen Potentialen des sich im gesellschaftlichen Raum freizügig bewegenden Körpers. Das Sich-Selbst-Bewegen im Sinne einer selbstbestimmten Führung und Gestaltung des eigenen Lebens wird dabei als eine Praxis der Mitgestaltung gesellschaftlicher Räume interpretiert, denn die Arbeit an der Gestaltung des eigenen Lebensraums wirkt in kollektiv genutzte Räume hinein. Sie könnte als eine in gegenwärtiges Handeln verwebte utopische Praxis verstanden werden, die an in der Reformbewegung begonnene Versuche individuelle Freiheit kollektiv zu verwirklichen, wieder anknüpft.




Das für die Realisierung des Projekts Zürich rührt sich gewählte Format ist ein Marionettentheater. ProtagonistInnen der Bewegungskultur werden als an Fäden bewegte Figurinen gestaltet und sowohl formal als auch von ihrer Bewegungsfunktionalität her mit den von ihnen vertretenen Entwicklungen in Beziehung gesetzt. Die Spielorte der fünf Szenen beziehen sich bis auf eine Ausnahme auf konkrete Orte der Stadt Zürich, die einerseits historisch mit der Geschichte der gymnastischen Bewegung/des Ausdruckstanzes verknüpft sind oder einen kulturell bestimmten Bewegungsbegriff verräumlichen.

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Projektentwicklung

Für das Marionettenspiel Zürich rührt sich wurde von Tim Zulauf (Dramaturg, Zürich) im dialogischen Austausch mit Andrea Knobloch ein Theaterstück in fünf Bildern entwickelt. In den kommenden Monaten sollte die in der Shedhalle noch präsente Bühne nun als Probebühne genutzt werden. Nach den Proben sollte das Marionettentheater auf Wanderschaft gehen und die Orte aufsuchen, an denen die ProtagonistInnen (Sophie Taeuber, Suzanne Perrottet, Mary Wigman, Rudolf von Laban) in Zürich gewirkt haben, wie z. B. das Cabaret Voltaire oder die Kunstgewerbeschule (heute ZHDK), oder die für Stück und Projekt wichtige Entwicklungen der Bewegungskultur verräumlichen, wie der Oerliker Park oder der Monte Verità. Die Tournee war für den Herbst 2008 geplant, um die genannten Orte zu bespielen und das Stück für ein interessiertes Publikum im Stadtraum erlebbar zu machen. Eine Plakatzeichnung der Künstlerin verweist bereits jetzt auf Spielorte und die geplante Premiere. Die ausliegenden, von ihr gestalteten Texthefte, beinhalten die vorläu?ge Endfassung des Theaterstücks sowie Fotogra?en und Entwürfe der Figurinenkonzeptionen.

Damit aber eine Premiere von Zürich rührt sich statt?nden kann, ist das Projekt auf weitere ?nanzielle Unterstützung angewiesen, um Regie, Proben, PuppenspielerInnen und Bühnentransporte zu ?nanzieren. Zürich rührt sich ist ein künstlerisches, rechercheorientiertes, kollektives Projekt, das mit den performativen Mitteln des Marionettenspiels arbeitet, sich mit Fragen über emanzipative Bewegungen, Bewegungslehre, Raumkonzeptionen und Urbanismus beschäftigt, den lokalen Raum Zürich und seine ProtagonistInnen des 20. Jahrhunderts untersucht und von einer zeitgenössischen Künstlerin konzipiert wurde. Dieser transdisziplinäre Ansatz macht es nicht einfach in einer spartenorientierten Kulturlandschaft die nötige Förderung für die Verwirklichung dieses Projektes aufzutreiben. Wir hoffen, dass die ZürcherInnen bald in den Genuss kommen werden, die Premiere von Zürich rührt sich zu feiern, da Zürich rührt sich als ein Marionettenspiel für die Stadt Zürich über ZürcherInnen in Zürich gedacht und konzipiert wurde.


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