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AUSSTELLUNG 2000

Widerspenstige Praktiken
vom 2000-07-01 bis 2000-08-06

Eröffnung: 2000-07-01 00:00

im Zeitalter von Informations- und Biotechnologien

Informations- und Biotechnologien spielen zunehmend eine universalisierende Rolle und beeinflussen unsere Ideen von Subjektivität und (politischer) Handlungsfähigkeit. Auch die Kunstszene trägt diesen Prozessen Rechnung und widmet sich vermehrt digitalen Themen. Unbeachtet bleibt dabei häufig, dass neue Technologien neue (alte) Ideologien und Monopoli-sierungen transportieren. Der gegenwärtige Transformationsprozess ist unter anderem durch eine Kulturalisierung ökonomischer Interessen und umgekehrt durch eine Einverleibung von Kultur in ökonomische Zusammenhänge gekennzeichnet. Das heisst, dass nicht nur Kultur eine immer zentralere Rolle spielt, sondern dass die bildende Kunst im speziellen - gewissermassen als Feld des Visuellen - eine dominante Stellung innehat, sei es in einem affirmativen, sei es in einem kritischen Sinn.

Für die Ausstellung »Widerspenstige Praktiken« ist die Frage relevant, wie sich ein Konzept von künstlerisch-kulturellem Widerstand gegenüber diesen Ökonomisierungen des Kulturellen sowie der Universalisierung neuer Technologien und deren Funktion der Konsolidierung multinationaler Konzerne formulieren lässt, wenn man weiss, dass man selbst, wo auch immer man sich befindet und was auch immer man tut, tragender Teil dieser Prozesse ist. Wie kann man BenutzerIn dieser Medien sein und sich gleichzeitig deren inhärenter Interessen widersetzen? Ist ein Konzept wie Widerstand in einer »posthumanen Gesellschaft« überhaupt noch tragfähig und wie schauen die aktuellen Formen davon aus?

»Widerspenstige Praktiken« behauptet, dass im posthumanen Zeitalter von Kulturalisierung des Politischen, Ästhetisierung existentieller Lebenspraktiken und Virtualisierung des Realen die Kunst ein privilegierter Ort von realem und symbolpolitischem Widerstand sein kann, den es vielfältig und offen zu erproben gilt. Diese Ausstellung zeigt auf, dass es einen avancierten Umgang mit neuen Medien jenseits technodeterministischer Zwänge gibt. Sie macht den Vorschlag, dass im Moment ein Begriff wie Widerstand besser durch den der Widerspenstigkeit ersetzt würde. Digitale Medien und Technologien machen die Verkörperung von Wissen, Kritik und Widerstand nicht obsolet, sondern erfordern diese nachgerade, sie bringen aber doch auch andere als sprachzentrierte Diskurstypen hervor. Das prädestiniert sie für eine Realisierung im Raum. Deshalb und insofern, als Kunst eine zentrale Funktion im Beharren auf der Realität von Kontexten und Körpern inne hat (weil sie eine Visualisierung imaginärer, virtueller/utopischer Momente darstellt), ist für »Widerspenstige Praktiken« die Repräsentation innerhalb des Mediums Ausstellung zentral: Getragen vom Soundsampling von Jennifer und Kevin McCoy, der Ausstellungsarchitektur Lehti Kuwas und den einzelnen Beiträgen versteht sich das Projekt als Modell einer symbolisch-virtuellen Zone, in der sich widerspenstige AgentInnen, bildhafte Datenströme und Maschinen temporär vernetzen.

Konzept: Yvonne Volkart

Organisation: Shedhalle-Team

KünstlerInnen: Basicray (New York), Ursula Biemann (Zürich), Natalie Bookchin (Los Angeles), Natalie Bookchin & Alexei Shulgin (Moskau), Bureau of Inverse Technology (global), Ricardo Dominguez (New York), Johan Grimonprez (Gent/New York), Marina Grzinic & Aina Smid (Ljubljana), Kristin Lucas (New York), Diane Ludin (New York), Jennifer & Kevin McCoy (New York), Francesca da Rimini & Michael Grimm (Adelaide, Australia), Rtmark (USA), Lehti Kuwa (Zürich), Cornelia Sollfrank (Hamburg)